Pressemitteilung vom 09.06.2026
Alleinerziehende Eltern stehen im Alltag oft vor einem echten Spagat: Arbeit, Kinderbetreuung und feste Abläufe müssen jeden Tag organisiert werden. Gerade die Vereinbarkeit von Familie und Beruf ist dabei die größte Herausforderung. Termine, Betreuungszeiten und Arbeitszeiten müssen zusammenpassen – und genau das macht die Jobsuche oft komplizierter. Um diesen Hindernissen aktiv zu begegnen und gezielte Unterstützung anzubieten, veranstalteten das Jobcenter und die Agentur für Arbeit Lübeck auch in diesem Jahr einen Job-Talk im Rahmen der Messe MARZIPAN (Mit Alleinerziehenden richtig zur Integration – Potenzial für den Arbeitsmarkt nutzen).
Bei dem Job-Talk konnten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer sich in persönlichen Gesprächen mit potentiellen Arbeitgebenden austauschen. Ziel war es, Kontakte zu knüpfen, Möglichkeiten der Zusammenarbeit auszuloten und Perspektiven aufzuzeigen. Um die Teilnehmenden auf diese Situation vorzubereiten, wurden sie im Vorfeld gemeinsam von einem Bildungsträger gecoacht.
Im vergangenen Jahr nutzte auch Kevin Berner seine Chance. Der alleinerziehende Vater einer 7-jähriger Tochter nahm am Job-Talk teil und lernte seinen heutigen Arbeitgeber CONVOTIS Deutschland GmbH kennen. Heute arbeitet er in dem IT- Unternehmen mit verantwortungsvollen Aufgaben und guten Entwicklungsmöglichkeiten. Berner hat die Erfahrung gemacht, dass man ihm als Alleinerziehenden nicht immer unvoreingenommen begegnet, denn die Betreuung und Organisation von Kindern werde häufig noch als „klassische“ Aufgabe von Müttern gesehen: „Ich werde meiner Verantwortung als Vater zu hundert Prozent gerecht. Das sollte man nicht vom Geschlecht abhängig machen. Der Alltag war anfangs herausfordernd, hat sich inzwischen jedoch sehr gut eingespielt. Mein Tagesablauf ist klar strukturiert: morgens Vorbereitung für Schule und Arbeit, tagsüber Büro und nachmittags Zeit für organisatorische Aufgaben, Sport und die Betreuung meiner Tochter.“
René Mura, Standortleiter und Einzelprokurist von CONVOTIS war auch in diesem Jahr auf der Messe vertreten. Er stand dem Job-Talk anfangs eher skeptisch gegenüber: „Wir sind es gewohnt Bewerbungsprozesse klassisch über Unterlagen und Gesprächstermine zu führen. Die sehr direkte Form wirkte zunächst ungewohnt und schwer einschätzbar. Im Nachhinein hat sich aber genau das als Stärke erwiesen. Das Gespräch mit Herrn Berner war ehrlich, direkt und sehr authentisch – und das hat mich schnell überzeugt. Wir freuen uns darüber, ihn und weitere Mitarbeiter:innen für unser Unternehmen gewonnen zu haben.“
Die Organisatorinnen Claudia Schmutzer und Andrea Schlichting betonen die Bedeutung gezielter Unterstützung sowie Sichtbarkeit für Alleinerziehende und Berufsrückkehrende im Berufsleben: „Wir erleben jeden Tag, wie viele Fähigkeiten, Erfahrungen und Stärken in diesem Personenkreis stecken – oft fehlt nur der richtige Kontakt, ein offenes Gespräch oder ein bisschen Mut zum nächsten Schritt. Genau dafür schaffen wir mit dieser Messe Raum. Es ist schön zu sehen, wie hier Möglichkeiten entstehen.“
Die Messe richtete sich zudem an Menschen in Umbruchsituationen, die sich über ihre beruflichen Möglichkeiten informieren wollten. Sie bot außerdem eine Plattform für Beratung und Vernetzung. Expertinnen und Experten aus verschiedenen Bereichen standen für Fragen zur Verfügung. Auch Arbeitsagentur und Jobcenter informierten zu Themen wie Teilzeitausbildung, Kindertagesbetreuung oder zu Angeboten von Bildung und Teilhabe sowie den Wiedereinstieg in das Berufsleben. JOB to GO vom gemeinsamen Arbeitgeber-Service von Arbeitsagentur und Jobcenter präsentierte vor Ort aktuelle Arbeitsstellen in der Region. Die Chefs von Arbeitsagentur und Jobcenter Lübeck, Markus Dusch und Christian Saar, zeigen sich rundum zufrieden mit dem Verlauf der Messe: „Rückblickend war die Messe erneut ein gelungenes Format. Besonders der direkte Austausch zwischen Betrieben und unseren Kundinnen und Kunden hat auch in diesem Jahr gezeigt, wie wertvoll persönliche Begegnungen sind aus denen konkrete berufliche Perspektiven entstehen.“
Hintergrund
Durch das Projekt MARZIPAN der Agentur für Arbeit und des Jobcenters Lübeck sollen Alleinerziehende gezielt bei der Arbeits- oder Ausbildungssuche unterstützt und Unternehmen für diese Potenziale gewonnen werden. Es ist eines von bundesweit 20 Projekten der Kampagne „Beschäftigungschancen für Alleinerziehende erschließen“, das im Rahmen der bundesweiten Fachkräfteoffensive des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales (BMAS), des Bundesministeriums für Wirtschaft und Technologie (BMWi) sowie der Bundesagentur für Arbeit 2012 auf den Weg gebracht wurde.
Daten zu Alleinerziehenden
In der Hansestadt Lübeck waren 2025 im Jahresdurchschnitt 857 Alleinerziehende arbeitslos gemeldet, im April 2026 waren es 820. Ihr Anteil an allen Arbeitslosen liegt aktuell bei 8,0 Prozent.
Auch wenn traditionelle Rollenbilder auf dem Rückzug sind: Alleinerziehend zu sein ist ein Frauenphänomen. Mit einem Anteil von 91,0 Prozent sind fast ausschließlich Frauen mit dieser Lebenssituation konfrontiert.
Sie sind auch stärker von Langzeitarbeitslosigkeit betroffen. Während 69,0 Prozent aller Lübecker Arbeitslosen vom Jobcenter betreut werden, sind es bei den Alleinerziehenden 87,3 Prozent.
29,4 Prozent suchen eine Vollzeitstelle. Dass sie arbeitslos sind, liegt nicht an einer fehlenden Arbeitsmotivation, sondern vielmehr daran, dass sie bei der Kinderbetreuung weniger flexibel reagieren können und Schwierigkeiten haben, eine passende Stelle zu finden. Für sie ist der Spagat zwischen Familie und Beruf, finanziellen Zwängen und Zeit für eigene Bedürfnissen oft besonders schwierig.
In vielen Fällen sind sie gut ausgebildet. 27,9 Prozent haben eine abgeschlossene Berufsausbildung und 8,5 Prozent einen akademischen Abschluss. Die überwiegende Zahl (71,1 Prozent) der alleinerziehenden arbeitslosen Frauen ist zwischen 25 und 45 Jahre alt.
Es waren folgende Unternehmen dabei:
Weiterführende Informationen finden Sie
Gemeinsam stark: Dem Projekt MARZIPAN gehört ein großes Netzwerk an